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Rassismus: Blackface-Sujet in Fotomagazin “Portfolio” sorgt für Kritik

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Bundesinnung für Fotografen veröffentlichte altes Werbesujet von Horst Stasny, auf dem ein weißer Mann schwarz angemalt wurde

Wien – Das Fotomagazin der Bundesinnung für Fotografen, “Portfolio”, sorgt mit einer Fotoauswahl für Kritik innerhalb der Branche. Konkret geht es um die Veröffentlichung eines ganzseitigen Bildes des österreichischen Fotografen Horst Stasny, das im Jahr 1994 im Auftrag des Schweizer Uhrenkonzerns Swatch für eine Werbekampagne entstanden ist. Zu sehen ist ein weißer Mann mit Perücke, der schwarz angemalt wurde. Das Sujet soll im Magazin neben anderen Fotos von Stasny unter dem Titel “König der Bildermacher” das vielfältige Œuvre des Fotografen illustrieren.

Klassisches Blackfacing

Nach STANDARD-Informationen haben sich bereits mehrere Fotografen und Leser über den Abdruck des Bildes beschwert. Tenor der Kritik: Das Foto sei klassisches Blackfacing und als solches eindeutig rassistisch und abzulehnen. Dass noch dazu ein Fotomagazin bei der Bildselektion so unsensibel vorgehe, sei ein Affront für alle Fotografinnen und Fotografen. Darüber hinaus fehle jegliche kontextuelle Einordung des Sujets. Das Magazin “Portfolio” erscheint viermal im Jahr in einer Auflage von 10.000 Stück. Herausgegeben wird es von der Bundesinnung für Fotografen, die in der Wirtschaftskammer angesiedelt ist.

Blackfacing kommt aus der US-amerikanischen Theater- und Kleinkunstszene und war im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet. Weiße Menschen malten sich das Gesicht schwarz an, um Schwarze zu karikieren und mit Stereotypen herabzuwürdigen. Sie traten oft mit grotesk überzeichneten dicken roten Lippen in Erscheinung. Die Debatte um Blackfacing wird bereits seit einigen Jahren geführt. Das Gesichtschwärzen gilt als Beleidigung und rassistisch.

“Portfolio”-Chefredakteur: Kein rassistischer Hintergrund

Herbert Eichinger, der Chefredakteur von “Portfolio” und Autor des Artikels, kann die Kritik nicht nachvollziehen: “Dieses Foto in die Nähe dieser verachtenswerten Praxis zu stellen ist verwerflich”, sagt er zum STANDARD. “Es gibt keinen Anlass, bei diesem Foto überhaupt nur anzudenken, dass es einen rassistischen Hintergrund haben könnte.” Dieses Sujet Stasnys sei eines von 20 gewesen, die 1994 in einer weltweiten Werbekampagne zum Einsatz gekommen seien: “Swatch wollte damit den globalen Anspruch seiner Marke unterstreichen. Unter dem Motto: eine Uhr für alle Menschen in einer multikulturellen Welt ohne Grenzen.”

Die Swatch-Werbelinie stand in der Tradition des Stils des Benetton-Fotografen Oliviero Toscani, der mit seiner provokanten Kampagne “United Colours of Benetton” die Menschen auf diese wichtigen und sensiblen Themen aufmerksam gemacht habe, so Eichinger. Und: “Betonen möchte ich, dass es die ureigenste Aufgabe der Fotografie ist, mit starken und berührenden Bildern aufzurütteln und zum Nachdenken zu bewegen. Und genauso wie für Literatur, Karikaturen oder Theater gilt auch hier ein oberstes Prinzip: Kunst ist frei.”

Gerade Horst Stasny sei “völlig unverdächtig”, rassistisch zu sein: Diese Unterstellung konterkariere sein “großes Lebenswerk, das immer auf humanistischen Werten aufgebaut ist”, sagt Eichinger. “Und ich möchte auch persönlich betonen, dass rassistisches Gedankengut jeglicher Art in unserem Magazin nie Platz hatte und auch nie Platz haben wird.”

1994 versus 2020

Kritiker kontern, dass zwar im Jahr 1994, als das Foto entstanden ist, die Problematik um Blackfacing in der Öffentlichkeit nicht so präsent gewesen sein möge wie heute, aber warum man so ein Foto im Jahr 2020 ohne Kontext drucke, sei nicht nachvollziehbar. Hier hätten alle redaktionellen Korrektive versagt. Wenn es schon veröffentlicht werde, dann hätte es bei entsprechender Einordnung die Chance geboten, dass sich die Leserinnen und Leser mit Rassismus – in der Gesellschaft und damit auch in der Fotografie – auseinandersetzten, heißt es.

Source- derstandard.at

Oded Hadley
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